Smart City ≠ Digital City


Immer weiter, immer mehr, immer schneller. Wir leben in einer Zeit rasender Veränderungen. In einer Zeit, die uns kaum Luft holen lässt. Es werden mittlerweile Lösungen entwickelt, die vor Kurzem noch nicht möglich schienen. Machbar ist vieles schon heute, nicht erst morgen, in einigen Jahren oder irgendwann in der Zukunft. Die Möglichkeiten der Digitalisierung erweitern permanent unseren Horizont und machen eine Steigerung der Lebensqualität greifbar.

Von Sebastian Karl

Wie die Digitalisierung das Leben verändert


Mit dieser Entwicklung jederzeit und bestmöglich Schritt zu halten, ist nahezu unmöglich – zumindest für Menschen und Unternehmen, die sich von der Wucht der digitalen Welle lediglich mitreißen lassen. Wie in jedem Bereich unseres Lebens ist das erfolgreiche Positionieren in einem gewünschten Umfeld nur durch kluge Überlegungen, weitsichtige Planung und mit der notwendigen Leidenschaft zu realisieren. Veränderungen fordern uns täglich mehr, sie bieten uns aber auch immer größere Chancen.

Eine der gravierendsten Veränderungen unserer Zeit sehen wir in der kontinuierlichen Verlagerung des Lebensmittelpunktes der Menschen auf unserem Planeten. In 2050 werden mehr als zwei Drittel der Erdbevölkerung im städtischen Raum leben, heute ist es schon weit mehr als die Hälfte. Wie soll das funktionieren? Auf welche Weise lassen sich Herausforderungen wie die Energie- und Umweltsituation mit dem Bedürfnis nach weiter steigender Lebensqualität in Einklang bringen?

Und: Werden die Menschen in den urbanen Gebieten noch genügend Platz zum Leben haben oder bei zunehmenden Emissionen noch ausreichend saubere Luft zum Atmen? Ad-hoc-Lösungen für die Vielzahl an Problemen sind derzeit nicht in Sicht. Die Landflucht wird sich auch in Zukunft fortsetzen und die jetzt

schon kritische Situation in vielen Metropolregionen verschärfen. Hinzu kommt, dass Angebote für Menschen auf dem Land weiter abnehmen werden, was das Leben dort zunehmend unkomfortabel macht. Wird das Landleben mit seiner Ruhe, seiner Individualität, seiner Natur unattraktiv? Die Antwort lautet „ja“ und sie lässt sich belegen.

Menschen, die lange Wege in Kauf nehmen müssen, um Dinge zu tun oder zu kaufen, zahlen mit der ältesten und immer mächtiger werdenden Währung überhaupt: Zeit. Zeit wird mittlerweile als kostbares Gut wahrgenommen, weil ein Effekt der Digitalisierung auch die Beschleunigung unseres Lebens ist. Eine logische Konsequenz daraus ist das Bestreben, Zeit zu optimieren. Für Zeitoptimierer kann das Dorf jedoch kein Sehnsuchtsort sein – zumindest nicht als Lebensmittelpunkt.

Städte wollen smart werden:
Doch oft fehlen klare Konzepte. Wie werden unsere Städte künftig aussehen?

 

Oft fehlt es an klaren Konzepten


Fast jede Stadt in Europa hat das Trend-Thema „Steigerung der Lebensqualität“ und damit einhergehend das Generieren von zusätzlicher Zeit für die Bürger auf ihrer Agenda. Sie entwickeln Maßnahmen, um clevere Städte zu kreieren – die „Smart City“. Der Anspruch ist meist gleich: Modernste Technologien und Prozesse sollen die Lebensqualität der Menschen spürbar erhöhen. Dafür werden mal mehr und mal weniger Projekte gestartet, die entweder sofortigen Nutzen bringen oder auf absehbare Zeit Probleme lösen sollen. Dieser Ansatz ist richtig, gehört aber ohnehin zu den Hauptaufgaben der Verantwortlichen in einer Stadt oder Kommune.

Allerdings ist in vielen Städten oftmals keine klare Ausrichtung der Smart City Maßnahmen auf ein gemeinsames, starkes Ziel zu erkennen.

Eine Stadt braucht im Werben um Bürger und Unternehmen jedoch ein klares Konzept und einen eigenen, unverwechselbaren Weg, um sich von anderen abzuheben. Wichtig ist eine deutlich erkennbare strategische Linie, an der sich Wirtschaft, Wissenschaft, Studenten und Bürger orientieren können. Denn Smart City bedeutet nicht, alles, was analog und langsam ist, digital und schnell zu gestalten.

Digitalisierung um der Digitalisierung willen behebt keine Probleme, weil die Digitalisierung lediglich ein neues, modernes Werkzeug für Lösungen ist. Es sollte überlegt eingesetzt werden – immer dann, wenn Menschen durch die Digitalisierung nachweislich einen Nutzen und eine Steigerung der Lebensqualität erfahren.

Nur wer mit Verstand agiert, ist wirklich smart


Womit die Lebensqualität gesteigert werden kann, ist eine Frage, die sich gerade in einem heterogenen, städtischen Umfeld nicht mit wenigen Aussagen beantworten lässt. Klar ist jedoch, dass eine Stadt nur dann nachhaltig smart werden kann, wenn sie sich die richtigen Ziele setzt.

Ziele, die auf geografische, gesellschaftliche und strukturelle Rahmenbedingungen abgestimmt sind. Und Ziele, die einer Stadt perspektivisch die Entwicklung einer eigenen Identität ermöglichen. Diese Ziele können durch digitale, aber oftmals auch über traditionelle Lösungen erreicht werden.

Smart City ist also nicht gleich Digital City. Wie viel Digitalisierung eine Smart City braucht, um wirklich smart zu werden, lässt sich nur mit der notwendigen strategischen Weitsicht definieren.

Dieser Aufgabe müssen sich Städte und Kommunen bereits im Vorfeld stellen, wenn sie eine nachhaltige Smart City gestalten wollen, die ihren Bürgern höchste Lebensqualität bietet. Eine Strategie folgt eben nicht nur dem Bauch, sondern vor allem dem Verstand. Nur wer mit Verstand agiert, ist wirklich smart.